Sommerschnee

Es schneit wieder. Weiche Flocken tanzen in verschiedenen Größen vom Himmel. Es wirkt, als passen sie sich den sanften Klängen instrumentaler Musik an, die über Kopfhörer in meinen Körper gleiten. Eine Playlist, die den Geist beruhigen soll. Im Hintergrund plätschert Wasser und Vögel zwitschern im Chor, vielleicht ein Sommertag im Wald. Das Schauspiel der Schneeflocken, das ich durch das Fenster beobachte, wirkt dabei nicht unpassend.

Die Jahreszeiten vermischen sich und ich stelle mir vor, wie ich im Frühsommer auf einer Wiese zwischen alten Apfelbäumen liege und Schnee auf mich fällt. Langsam wirbeln sich die Flocken ihren Weg nach unten, lassen sich kühl auf meiner Haut nieder. Eine Weile ruhen sie sich aus und lassen mich glitzern, bevor sich Eiskristalle durch meine Körperwärme in Wassertropfen verwandeln, in der Sonne verdunsten und als Wasserdampf zurück zum Himmel schweben.

Und ich denke, dass der Tod eine Erfindung des Menschen ist. Weil nichts stirbt, sondern sich nur fortwährend verwandelt, in eine andere Form oder einen anderen Aggregatzustand. Vielleicht werden die Dinge durch ihre Verwandlung für unsere Augen unsichtbar, vielleicht driften einzelne Bestandteile des Seins dabei auseinander und ordnen sich neu. Aber die Substanz, das Wesentliche bleibt bestehen. Eine unendliche Reise. Und ich wünschte, dass ich mich dabei genauso furchtlos treiben lassen könnte, wie die Schneeflocken, die an diesem Sommertag auf meiner Haut schmelzen.

1 Comment

  1. shahhussain Rasuli 22. März 2025 at 10:05

    Dieser Text ist eine wunderbare Mischung aus Ruhe und tiefgründigem Nachdenken. Die präzise und sanfte Beschreibung des Schnees, der vom Himmel fällt, zusammen mit der beruhigenden Musik, schafft ein poetisches und traumhaftes Bild eines friedlichen Moments. Die Vorstellung, wie sich die Jahreszeiten vermischen und die Natur ständig im Wandel ist, vermittelt ein schönes Gefühl von Harmonie und Verbindung zwischen allen Dingen.

    Die Idee, dass der Tod ein Prozess ständiger Veränderung und Transformation ist, hat mich echt zum Nachdenken gebracht. Es erinnert uns daran, dass nichts wirklich stirbt, sondern sich immer nur verändert. Dieser Gedanke, dass der Mensch genauso furchtlos wie die Schneeflocken im Fluss des Lebens treiben könnte, ist eine wunderbare Metapher für das Leben selbst – eine endlose Reise.

    Ehrlich gesagt, ich habe diesen Text mit viel Freude gelesen, und er hat meinen Morgen auf eine ganz besondere Weise verschönert. Die tiefgründigen Gedanken und die poetische Sprache haben mich zum Nachdenken angeregt und mir ein Gefühl von Frieden und Staunen gegeben.

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